Balthasar Permoser,  Die Verdammnis, um 1725
Balthasar Permoser, Die Verdammnis, um 1725, Museum der bildenden Künste Leipzig
Michel Erhart, Kniender König aus einer Anbetungsgruppe, um 1500
Michel Erhart, Kniender König aus einer Anbetungsgruppe, um 1500, Museum der bildenden Künste Leipzig

skulpturensammlung

Der Ursprung der Skulpturensammlung lag in einer seit 1848 zusammengetragenen Sammlung von Gipsabgüssen berühmter Werke der Antike und der Renaissance sowie von zeitgenössischen Modellgipsen und Skulpturen. 1912 wurde dieser Altbestand aufgelöst und zu einer zeitgemäßen Skulpturensammlung umgestaltet. Mit über 800 plastischen Werken verfügt das Museum der bildenden Künste heute nach Berlin und Dresden über die drittgrößte Skulpturensammlung in Ostdeutschland. Zu diesem Bestand kommt noch eine rund 400 Stücke umfassende Medaillen- und Plakettensammlung hinzu, bestehend aus Arbeiten deutscher und französischer Künstler des 19. und 20. Jahrhunderts.

Heute bilden die spätmittelalterlichen Holzplastiken, die Bronzestatuette der „Flora“ von Adriaen de Vries, die sächsische Barockplastik mit Arbeiten von Balthasar Permoser und einige qualitätvolle klassizistische Skulpturen zwar achtenswerte Akzente der Sammlung, aber sie erscheinen eher als reizvolle Introduktion zum Hauptbestand, den Plastiken der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und denen des 20. Jahrhunderts. Die Auswahl beinhaltet Werke namhafter und die Entwicklung in Berlin, Dresden oder Leipzig charakterisierender Künstlerpersönlichkeiten. Hauptsächlich umfasst die Sammlung genrehaft-thematische Arbeiten im Statuettenformat, die gänzlich im Dienste bürgerlicher Repräsentationsaufgaben entstanden. Der besondere Schatz der Leipziger Sammlung sind die siebzig Klinger-Werke, darunter neben seinen wichtigsten farbigen Skulpturen auch zahlreiche Originalgipse und Werkmodelle. Im Zusammenspiel mit einer großen Anzahl von Arbeiten weiterer sächsischer Künstler charakterisieren sie die von Klinger dominierte ungebrochene lokale Kunstentwicklung von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis nach 1945. Eine Spezialsammlung bilden mehrere hundert Tierplastiken, welche durch die Paul Geipel-Stiftung ins Museum gelangten, und die in der großen Werkgruppe von August Gaul ihr Zentrum hat. Eine eigenständige Gruppe bilden außerdem Plastiken französischer und belgischer Künstler der Jahrhundertwende.

Die Klassische Moderne verfolgte man mit Interesse, bei den Erwerbungen herrschte zu Beginn des 20. Jahrhunderts aber eher eine konservative Auswahl vor.Den Bestand prägen figürlich-gegenständliche Auffassungen, seltener expressive Tendenzen. Für die plastischen Künste in der DDR stehen Vertreter der künstlerischen Zentren Dresden, Berlin und Leipzig. Überzeugend ist die hiesige figurative Bildhauertradition repräsentiert, indem Werke mit politisch-appellativem Charakter neben experimentellen Arbeiten und kleinformatigen intimen Stücken stehen, die persönliche Lebensauffassungen reflektieren.