Karl Hofer, Das Boot, 1922
Karl Hofer, Das Boot, 1922, Museum der bildenden Künste Leipzig © VG Bild-Kunst, Bonn

Neuerwerbungen

Das Boot

1922, Öl auf Leinwand, 117 x 133 cm

Ende des Jahres 2011 konnte das Museum der bildenden Künste Leipzig mit Geldern eines privaten Vermächtnisses das 1922 entstandene Gemälde „Das Boot“ von Karl Hofer auf dem Kunstmarkt erwerben. Hofer schildert die Ankunft einer kleinen Menschgruppe in einem Boot auf einem Bergsee. Ein Mann winkt der Gruppe zu, die mit Ausnahme der stehenden Frau aber keine Reaktion zeigt. Die im Hintergrund untergehende Sonne verbreitet vor der in dunklen Farben gehaltenen Gebirgslandschaft eine etwas schwermütige Stimmung, die sich im traurigen Gesichtsausdruck der Protagonisten spiegelt. Ihr warmer Farbton deutet zugleich einen leichten Hoffnungsschimmer an. Entstanden vier Jahre nach Kriegsende, gehört „Das Boot“ zum traditionellen ikonografischen Repertoire Karl Hofers, mit dem er das Schicksal des Menschen in der Welt beschreibt. Zugleich bahnen sich die schwerwiegenden Eindrücke jahrlanger Internierung während des Ersten Weltkrieges ihren malerischen Weg. Präzise beschreibt Hofer hier das Lebensgefühl einer Generation von Kriegsheimkehrern, die eine lange und schwere Reise hinter sich haben, aber noch lange nicht angekommen sind. Karl Hofer, den 1933 die Nationalsozialisten seines Amtes als Professor der Hochschule der Künste in Berlin enthoben, wurde nach Kriegsende zum Direktor der Hochschule berufen. In dieser Funktion vertrat er in der Konfrontation von Abstraktion und gegenständlicher Malerei entschieden die Seite der Figuration. Das Festhalten am Menschenbild und das Engagement gegen die Entwürdigung des Menschen zeichneten seine künstlerische Haltung aus. Das neu erworbene Gemälde stärkt den Bestand des expressiven Realismus und erweitert die Präsenz Hofers um ein zentrales Motiv aus einer wichtigen Schaffensperiode. „Das Boot“ steht in unmittelbarer zeitlicher Nähe zur „Tischgesellschaft“ von 1923/24, die das Museum erst 1991 zurückkaufen konnte, nachdem es 1937 als „entartet“ aus der Sammlung entfernt worden war. Zusammen mit den beiden anderen Gemälden Karl Hofers („Frauen am Meer“, 1943, „Selbstbildnis mit Pfeife“, 1945) ist das Museum der bildenden Künste Leipzig nun in der Lage, die künstlerische Spannweite dieses für die figurative Tradition der deutschen Malerei wichtigen Künstlers angemessen zu präsentieren. Zugleich wird mit dem Werk des gesellschaftlich engagierten Hofer eine Brücke von der Vorkriegsmoderne zur Kunst der DDR geschlagen.