Sighard Gille, Elternbildnis, 1974, Museum der bildenden Künste Leipzig © VG Bild-Kunst, Bonn 2012

Sighard Gille

Elternbildnis 

1974, Öl auf Hartfaser, 74 x 86 cm

Sighard Gille (* Eilenburg 1941, lebt in Leipzig), Schüler von Berhard Heisig, gehört zur zweiten Generation der Leipziger Schule. Er vertritt hier die Position eines malerisch-expressiven Realismus. Das Bild der Eltern zu malen, heißt Privatheit in die Öffentlichkeit zu transportieren. Die Mutter sitzt in einem Sessel mit wuchtigem Lehnenhalbrund. Vom Tisch entfernt hat es den Anschein, als hätte sie sich in ein Gehäuse zurückgezogen. Das Buch vor sich zugeschlagen, sucht sie zaghaft Kontakt zu ihrem Mann. Den hat Gille im Vordergrund aufgebaut. Auch wenn er so dem Betrachter näher scheint als seiner Frau, bleibt er doch unnahbar. Mit konzentriertem Blick wendet er sich dem Zeitungslesen zu. Seine dominante Bildposition wirkt für den wissenden Betrachter anzweifelbar. Hinter der Zeitung verbirgt er den linken Armstumpf. Die Aufgeschlossenheit gegenüber der Welt draußen braucht die alltägliche Hilfe im Hause. Gille formuliert so ein Elternbild, das Rollenverhalten und Realität in ein fragwürdiges Verhältnis bringt. Das Bild der Eltern reiht sich ein in eine Folge von Paarbildern.