Peter Paul Rubens, Das Schiffswunder der hl. Walburga, 1610/11, Museum der bildenden Künste Leipzig

Peter Paul Rubens

Das Schiffswunder der hl. Walburga

1610/11, Öl auf Holz, 75,5 x 98,5 cm, Maximilian Speck von Sternburg Stiftung

Die hl. Walburga genoss in Flandern und in der Seehandels- und Seefahrerstadt Antwerpen als Patronin der Seefahrer besondere Verehrung. Walburga, die einer südenglischen Adelsfamilie entstammte, wurde im 8. Jahrhundert vom hl. Bonifatius zur Unterstützung seines Bekehrungswerks auf den Kontinent berufen. Die Legende berichtet, dass ihr Schiff bei der Überfahrt von England in das fränkische Reich in einen schweren Sturm geriet, der sich durch ihre Gebete beruhigte. Das Gemälde schmückte die Predella des Hochaltars im Chor der Kirche St. Walburga in Antwerpen, dessen Mittelbild die „Kreuzaufrichtung“ zeigte. Das Werk zählt zu den frühen Arbeiten Rubens (*Siegen 1577 †Antwerpen 1640) nach seiner Rückkehr aus Italien, in dem er Anregungen umsetzte, die er von der Kunst der Antike und von Michelangelos „Jüngstem Gericht“ in der Sixtinischen Kapelle empfangen hatte. Besonderes Augenmerk hat der Künstler auf die plastische Herausbildung der muskulösen Körper der Ruderer gelegt, die wie die Körper von Athleten im Kampf angespannt sind. Die Antike lieferte in den Augen von Rubens die idealen Vorbilder für eine heroische Körpersprache. Außerdem fertigte Rubens Studien „nach der Natur“ an, Ruderknechte und Fechter waren seine bevorzugten Modelle. Als der Altar vermutlich 1611 der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, konnte man eine im Norden vollkommen neue Ästhetik religiöser Malerei bewundern. Dynamik und eine dramatische Bildsprache, die an die Gefühle des Betrachters appellieren, sind die Instrumente, derer sich Rubens bediente.