Paul Delaroche, Napoleon I. zu Fontainebleau am 31. März 1814 nach Empfang der Nachricht vom Einzug der Verbündeten in Paris, 1845, Museum der bildenden Künste Leipzig

Paul Delaroche

Napoleon I. zu Fontainebleau am 31. März 1814 nach Empfang der Nachricht vom Einzug der Verbündeten in Paris

1845, Öl auf Leinwand, 180,5 x 137,5 cm

Nicht nur bei seiner Ausstellung in Prag im Jahre 1851 feierte dieses Gemälde des französischen Historienmalers Paul Delaroche (*Paris 1797 †Paris 1856) wahre Triumphe. Nachdem es der Leipziger Kaufmann Adolph Heinrich Schletter (1793–1853) beim Künstler in Auftrag gegeben hatte, ist es bis heute das Hauptwerk dieser herausragenden privaten Kunstsammlung. Der Künstler hat danach sechs weitere Repliken geschaffen. Den historischen Hintergrund der Darstellung bildet der Frankreichfeldzug der drei Koalitionsarmeen Preußens, Russlands und Österreichs im Jahre 1814. Eine wohldurchdachte Bildkomposition, Lichtregie und Farbgestaltung rücken bei aller historischen Glaubwürdigkeit und naturalistischen Detailtreue die psychologische Situation des Kaisers in den Vordergrund. Gestik und Mimik offenbaren den Zwiespalt zwischen körperlicher Erschöpfung und geballter innerer Energie. Die wie achtlos hingeworfenen persönlichen Utensilien betonen das Momentane des Augenblicks. Delaroche verdeutlicht die Empfindungen des Kaisers, der die drohende Niederlage erkennt und zugleich Pläne zu schmieden scheint, vielleicht noch einmal alles „zu retten“. Denn Napoleon ist noch nicht geschlagen: Seinen Kopf hinterfangen auf der Wandbespannung Lorbeerkranz und Krone, Teile des napoleonischen Emblems und zugleich symbolträchtige Hinweise auf seinen Herrschaftsanspruch. Erst am 6. April 1814 dankte er tatsächlich ab und im März 1815 begann seine „Herrschaft der hundert Tage“.