Meister Francke, Der Schmerzensmann, um 1425, Museum der bildenden Künste Leipzig

Meister Francke

 

Der Schmerzensmann

um 1425, Tempera auf Holz mit originalem Rahmen

Meister Francke  (*Niederrhein um 1380/85 †nach 1436) war ein Dominikanermönch und ein gelehrter Maler, der in Paris an der Universität den Grad eines Magisters in den Freien Künsten erworben hatte. Spätestens seit 1424 lebte er in Hamburg, wo wahrscheinlich auch die Leipziger Tafel entstanden ist. Das Gemälde zeigt Christus, der von einem Engel gestützt wird und seine Wunden präsentiert. Der Maler bringt das Leiden Christi dem Betrachter sehr nahe. Der schräg gelegte Kopf, die Abgemergelten Arme, die blutende Seitenwunde und die leichenblasse Haut sind Momente, die Mitleid wecken wollen. In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts hatte nördlich der Alpen eine neue Frömmigkeitsbewegung, die so genannte „devotio moderna“, breite Teile der Gesellschaft erfasst. Das Mitleiden an der Passion und die Nachfolge Christi sollten die Handlungen der Menschen bestimmen. Der Maler schuf das großartige Bild eines schwachen und verletzbaren Körpers. Er erreichte ein hohes Maß an Vergegenwärtigung durch den Gegensatz von glatt modellierter Haut, die durch Schattenangaben plastisch wirkt, und dem flachen Goldgrund. Der Künstler war ein talentierter Realist, wenn man sich z.B. die Maserung des Holzes ansieht. Ein wiederkehrender „Trick“ im Werk Meister Franckes sind Gesichter, die man nur zur Hälfte sieht, wie den Engel, der durch die Schulter des Schmerzensmanns halb verdeckt wird. Dadurch wird der Eindruck eines Tiefenraums geweckt und die Fantasie des Betrachters angeregt, das Bild in der eigenen Vorstellung zu ergänzen.