Max Klinger, Beethoven, 1902, Museum der bildenden Künste Leipzig

Max Klinger

Beethoven

1902, verschiedenes farbiges Gestein und Bronze mit Glas-, Metall-, Elfenbein- und Edelsteineinlagen, 310 cm Gesamthöhe

Wie in keinem anderen Werk verbinden sich im „Beethoven“ die zentralen Aspekte des Schaffens von Max Klinger (* Leipzig 1857 † Großjena bei Naumburg 1920). Beethoven – der vergöttlichte Mensch, das Künstler-Genie – thront in einsamer Höhe auf violetter Wolkenbank, den Adler des Prometheus zu seinen Füßen. Mit dem Pathos der Einsamkeit hat Klinger auch sich selbst gemeint. Das Bildprogramm seines bronzenen Thrones, das die Leidensgeschichte der Menschheit und ihre Erlösung durch Liebe und Schönheit umfasst, deutet nicht nur Beethovens Musik, sondern ist auch Ausdruck von Klingers eigenem künstlerischen Wollen. Als das Werk 1902 – nach 17-jähriger Arbeit – der Öffentlichkeit in mehreren europäischen Städten vorgestellt wurde, feierte es Triumphe. Sie belegen, in welch starkem Maße Klinger dem Formgefühl und Zeitgeist seiner Epoche entsprach. Die lange Entstehungszeit des Werkes erklärt sich auch aus der ungewöhnlichen Technik. Der „Beethoven“ entstand nach einem ausgeklügelten ästhetischen Konzept, das von Anfang an die malerischen Qualitäten verschiedener Materialien und deren assoziative Wirkung einschloss. Zahlreiche Zwischenschritte waren notwendig, um die verschiedenen Stoffe in komplizierter Montagetechnik zu einer Einheit von irritierendem Illusionismus zusammenzufügen, die man mit einer monumentalen Goldschmiedearbeit vergleichen kann. Die ungewöhnliche materielle Pracht des Objektes verlangt eine perfekte Inszenierung im Ausstellungsraum, eine steigernde und rahmende Architektur. Noch zu Klingers Lebzeiten und unter seiner Mitwirkung wurde im „Bildermuseum“ am Augustusplatz eigens für die Aufstellung des „Beethoven“ ein Anbau geschaffen. Die Präsentation im Museumsneubau reflektiert zum einen die historischen, vom Künstler vorgegebenen Rahmenbedingungen und transportiert diese in eine Gestaltung, der das Historisierende fremd ist.