Max Beckmann, Bildnis eines Teppichhändlers, 1946, Museum der bildenden Künste Leipzig, © VG Bild-Kunst, Bonn 2012

Max Beckmann

Bildnis eines Teppichhändlers

1946, Öl auf Leinwand, 194,5 x 94,5 cm

Das „Bildnis eines Teppichhändlers“ ist in den letzten Monaten des Amsterdamer Exils entstanden, wo der in Deutschland als „entartet“ geltende Beckmann (*Leipzig 1884 †New York 1950) seit 1937 lebte. Die lebensgroße Darstellung eines Mannes im Anzug zählt zu den großen klassischen Figurenkompositionen des Künstlers. Das schmale Hochformat hat Beckmann häufig für Bildnisse benutzt. Vor zwei weißen Säulen, zwischen denen gelbe Teppiche gespannt sind, steht der Teppichhändler, einen blauen Teppich hat er über seinen rechten Arm gelegt. Beckmann schuf mit seinem Gemälde kein bestimmtes Bildnis, sondern ein anonymes Porträt, in das die Physiognomien und Gesten von Bekannten eingearbeitet sind. Die Gestik des Teppichhändlers, besonders die zum Gesicht geführte überproportional große linke Hand, wirkt abweisend und beinahe schüchtern. Viel von Beckmanns eigener Notsituation im noch andauernden Exil, kurz bevor er nach Amerika auswanderte, ist in das Bildnis eingeflossen. Das Gemälde wurde an Stelle des im Zuge der Aktion „Entartete Kunst“ 1937 aus dem Museum entfernten und sich heute in München (Pinakothek der Moderne) befindenden Bildes „Großes Stillleben mit Fernrohr“ angekauft.