Lucas Cranach d.J., Allegorie der Erlösung, 1557, Museum der bildenden Künste Leipzig

Lucas Cranach d.J.

Allegorie der Erlösung

1557, Öl auf Holz, 263 x 201,5 cm

Als das protestantische Epitaph für eine Grablege in der Leipziger Nikolaikirche geschaffen wurde, war es in Leipzig nicht länger gefährlich, sich zu Luther zu bekennen. Die Reformation war nach dem Tod Herzog Georgs des Bärtigen 1539 auch hier eingeführt worden. Durch die Vermittlung seines Vaters dürfte Cranach d. J. (*Wittenberg 1515 †Weimar 1586) gute Kontakte in die Messestadt gehabt haben.

Links ist der auferstandene Christus über dem geöffneten Höllenschlund zu sehen, in dessen Rachen der Papst, Bischöfe, Kardinäle, Mönche und Nonnen als Vertreter der katholischen Kirche zu entdecken sind. Der Teufel trägt eine Mitra, was die antikatholische Stoßrichtung des Bildes betont. Rechts steht Johannes der Täufer neben einem jungen Mann, der als kniende Stifterfigur unten links wiederkehrt, und zeigt auf den Gekreuzigten. Die Botschaft der Geste ist, dass der Kreuzestod Christi die Erlösung vom Sündenfall des Menschen bedeutet, der im Hintergrund mit Adam und Eva im Paradies geschildert ist. Dieser Gedanke der Gnade und des Neuen Bundes zwischen den Menschen und Gott war ein zentrales Thema der Reformation. Rechts neben dem Kreuz steht Moses mit den Gesetzestafeln als Sinnbild des Alten Bundes. Im Hintergrund rechts sehen wir das Zeltlager des Volkes Israel und die Aufrichtung der Ehernen Schlange (4. Moses 21, 6-9), die, als alttestamentliche Präfiguration der Kreuzigung Christi, für Luther zum wichtigsten Beweis der Rechtfertigung allein durch den Glauben wurde. Für die Komposition der großen Tafel griff Cranach d. J. auf ältere Schemata zurück (Weimar, Stadtkirche St. Peter und Paul), die in der väterlichen Werkstatt entwickelt und auch im Holzschnitt verbreitet worden waren.