Jan van Wijckersloot, Selbstbildnis, 1669, Museum der bildenden Künste Leipzig

Jan van Wijckersloot

Selbstbildnis

1669, Öl auf Leinwand, 114 x 91 cm, Maximilian Speck von Sternburg Stiftung

Von Wijckersloot (*Utrecht 1625/30 †Amsterdam 1687), in einen vornehmen Hausmantel gekleidet, lenkt die Aufmerksamkeit des Betrachters auf einen ganzen Reigen von Symbolen, Attributen und Gegenständen. Die kapriziöse Geste der rechten Hand weist auf ein aus brennender Kerze, Brille und Zeichenpapier gebildetes Gesicht. Auf das Tambourin ist die Karikatur eines jungen Malers gemalt, auf der Steinkonsole ist ein Stillleben aus Zeichenpapier mit der Figur der „Ira“ (Zorn) und einem Architekturfragment sowie Blumen und einer glimmenden Lunte aufgestapelt. Die Malweise ist bis ins Detail präzise. An den Blüten sehen wir Wassertropfen, von der Lunte schwelt grauer Rauch auf. Im Hintergrund erkennt man zwei Skulpturen oder Abgüsse, die antike Bildwerke wiedergeben. Durch seinen Italienaufenthalt um 1645/55 war der Künstler mit antiker Architektur und Plastik vertraut. Wijckersloot, der uns mit wachem Blick fixiert, als würde er sich fragen, ob wir die Fülle der Anspielungen verstehen, thematisiert den Wettstreit der Künste und der Künstler. Auf die Fähigkeit der Malerei, aus nichts etwas zu machen, verweist das „Stillleben“ aus Kerze, Brille und Zeichenpapier. Der junge, etwas hochnäsige Malerjüngling an der Staffelei ist eine Karikatur auf den Hochmut, sich auf diese Fähigkeit, Illusionen zu produzieren, allzu viel einzubilden: Der Schafskopf ist sein unfreiwilliges Selbstbildnis. Die Figur des Zorns und das Messer im Schafsmaul („scharfzüngig“) sind deutliche Hinweise auf die harsche Umgehensweise der Künstler untereinander. Durch seine Ämter in der Utrechter Malergilde kannte Wijckersloot die notorische Konkurrenz unter den Künstlern allzu gut.