Jacob Isaacksz. van Ruisdael, Dünenlandschaft mit Eseltreiber, 1647, Museum der bildenden Künste Leipzig

Jacob Isaacksz. van Ruisdael

Dünenlandschaft mit Eseltreiber

1647, Öl auf Leinwand, 71,7 95,3 cm

Ruisdaels (*Haarlem 1628/29 †Haarlem 1682) Dünenbilder sind durch einen neuartigen Naturalismus im Detail gekennzeichnet, der auf intensive Naturstudien in der Umgebung Haarlems zurückgeht. Mit dem Leipziger Gemälde, einem Frühwerk des Künstlers, schuf Ruisdael allerdings kein „realistisches“ Abbild einer Düne, sondern das Bild eines Landschaftsausschnitts, das zwischen den Polen von Idealität und nicht domestizierter Wildnis schwankt. Zwischen dichter Vegetation mit Gestrüpp, Buschwerk und Bäumen muss sich das Auge einen Weg bahnen, der über den sandigen Pfad in der rechten Bildhälfte auf den Scheitelpunkt der Düne führt, wo kleine Figuren zu entdecken sind, die wohl auf das Meer blicken. Das dominierende Motiv ist das Aufragen und Ausgreifen der Bäume vor dem weiten Himmel, das der Künstler im Gegenlicht und aus Untersicht theatralisch inszenierte. Wir erkennen das für die frühen Jahre typische Streben nach einem Naturausdruck von elementarer Lebendigkeit ebenso wie die Tendenz zur Dramatisierung von Natur und Landschaft. „Die Güte Gottes ist auf der Höhe einer jeden Düne gegenwärtig.“ schrieb 1647 der Kunstsammler und Calvinist Constantijn Huygens (1629–1695). Der Künstler hat den Kontrast der kleinen Figuren auf der Dünenspitze im Sonnenlicht gegen den weiten Himmel auf die Spitze getrieben. Menschen auf Dünen waren seit Jan van Goyen (s. S. 90) ein Topos der holländischen Landschaftsmalerei. Neu ist die Idee, sie im idyllischen Ausschnitt der Bäume zu präsentieren. Neben einer religiösen Bedeutung, die hier mitschwingen mag, betrachten sie die Landschaft als ästhetisches Objekt: Die Düne wird zum Belvedere.