Hartwig Ebersbach, Kaspar. Abwicklung eines Portraits, 1973, Museum der bildenden Künste Leipzig © VG Bild-Kunst, Bonn 2012

Hartwig Ebersbach

Kaspar. Abwicklung eines Porträts

1973, Öl auf Hartfaser, je Tafel 199,5 x 60 cm

Mit zusammengebissenen Zähnen wendet sich ein grobschlächtiger Kopf mit roter Mütze von links nach rechts. Der Bewegungsmoment der „Abwicklung eines Porträts“ vom Profil bis zur Frontalansicht ist in fünf Tafeln in unterschiedlichen Hintergrundfarben festgeschrieben. Kaspar ist das „alter ego“ des Künstlers Hartwig Ebersbach (* Zwickau 1940, lebt in Leipzig). Die Ausdrucksmöglichkeiten, die der wandlungsfähigen, cleveren Figur gegeben sind, interessieren Ebersbach. Die „Abwicklung eines Porträts“ ist die erste Beschäftigung Ebersbachs mit der Kasparfigur. In der Folge schlüpft Kaspar auch in die Rolle des Christus oder Gottes. Ebersbach, der bei Bernhard Heisig in Leipzig Malerei studiert hat, entwickelt seine Identifikationsfigur in einer Lebenskrise, nachdem seine Bemühungen, im Kunstbetrieb der DDR Fuß zu fassen, an seiner expressiven Malerei zu scheitern drohten. Zur „Abwicklung eines Porträts“ schreibt Ebersbach später: „Der Kaspar hier ist Produkt eines magischen Experimentes, zeigt meine Beschaffenheit zwischen Leiden und Aggressivität, ausbrechen wollen, aber nicht können. Das alles vor regenbogenfarbenem Kulissenwechsel, eine Porträt-Abwicklung, auftauchen und wieder verschwinden, ein kurzer Aufschrei.“