Hans Baldung, gen. Grien, Die sieben Lebensalter des Weibes, 1544, Museum der bildenden Künste Leipzig

Hans Baldung, gen. Grien

Die sieben Lebensalter des Weibes

1544, Öl auf Holz, 97 x 74 cm

Hans Baldung (*Schwäbisch Gmünd 1484/85 †Straßburg 1545) wurde von seinen Zeitgenossen als der nach Dürer bedeutendste deutsche Künstler gerühmt. Seinen Necknamen „Grien“ (für Grün) hat er wahrscheinlich in der Dürer-Werkstatt erhalten, wo er in den ersten Jahren des 16. Jahrhunderts mit zwei weiteren Malern tätig war, die Hans hießen (Hans Schäufelein und Hans von Kulmbach). Die Beobachtungsgabe des Künstlers tritt vor allem im nackten Körper des jungen Mädchens zu Tage, das nach dem Leben studiert ist. Das Gemälde bildete möglicherweise ursprünglich ein Diptychon, auf dessen rechtem „Flügel“ drei Frauen, die der Tod zum ausgehobenen Grab führt, dargestellt waren (nur als Kopie erhalten). Jede der Frauen ist durch charakteristische Merkmale von ihrer Nachbarin unterschieden und zugleich kompositionell verbunden, um die Zusammengehörigkeit der verschiedenen Lebensalter zu einem Lebenslauf zu zeigen. Die älteste Frau, im Profil wiedergegeben, blickt bereits nicht mehr in die Gegenwart des Betrachters, sondern zum Weinstock und Feigenbaum als Fruchtbarkeitssymbolen und Sinnbildern der ewigen Erneuerung des Lebens. Der niedrige Horizont verleiht den Figuren Monumentalität, der blaue Himmel – eine modern wirkende, fast monochrome Farbfläche – gibt der Vergänglichkeitsallegorie einen meditativen Ausdruck. Das gedankenreiche und lebenszugewandte Gemälde ist wohl das letzte große Werk des Künstlers, der im Folgejahr verstarb.