Giovanni Paolo Panini, Idealvedute mit Ruinen, 1727, Museum der bildenden Künste Leipzig

Giovanni Paolo Panini

Idealvedute mit Ruinen 

1727, Öl auf Leinwand, 99 x 74,5 cm, Maximilian Speck von Sternburg Stiftung

Als Panini (*Piacenza 1691 †Rom 1765) das Leipziger Gemälde schuf, war er zum international hochgeschätzten Architekturmaler Roms avanciert, der sich vor Aufträgen kaum retten konnte. Die kunstsinnigen Kardinäle und europäischen Botschafter an der päpstlichen Kurie schätzten seine Fähigkeit, flache Zimmerwände durch die schönen Illusionen architektonischer Tiefenräume zu verzaubern. In keiner anderen Stadt Europas konnte so viel antike Architektur bewundert werden wie in Rom. Wenn wir die scheinbar zufällig verstreuten architektonischen Fragmente betrachten, sollten wir uns daran erinnern, dass ihre perspektivisch korrekte Anordnung im Bild eine handwerkliche Leistung war, die von den Zeitgenossen und Sammlern besonders geschätzt wurde. Die fein gezeichneten Figuren, die mehr als bloße Staffage sind, heben sich leuchtend und bunt gegen die eher monochrome Farbigkeit der Architektur ab. Die Kombination von Architektur und Figuren stellt Vergangenheit und Gegenwart einander gegenüber, angesichts der Größe der antiken Monumente nehmen sich die Menschen winzig aus. Panini, ein Hauptmeister des Ruinenbildes im 18. Jahrhundert, in dem die Archäologie einen großen Aufschwung nahm, beschwört jedoch nicht die melancholische Wehmut herauf, die eine Generation später in den Bildern seines Schülers Hubert Robert (1733–1808) anklingt.