Giovanni Battista Piranesi, Architekturskizze, Museum der bildenden Künste Leipzig

Giovanni Battista Piranesi

Architekturskizze

Feder in Braun und Grau, schwarze und rote Kreide, 14,8 x 21,9 cm

Mit kühnen Federstrichen zeigt Piranesi (*Mogliani bei Venedig 1720 †Rom 1778) eine fantastische Palastarchitektur. Über einem hohen Sockelgeschoss erhebt sich aus dem Hauptgebäude ein Mittelrisalit, der als fünfachsiger Portikus gestaltet ist. Seitlich schließen sich weitere Flügel- und Eckbauten an. Die gesamte Palastanlage wird von zwei monumentalen Treppenläufen gerahmt, wobei der linke an die kapitolinische Treppenanlage in Rom erinnert. Die gesamte Anlage zeigt architektonische Monumentalität und Grenzenlosigkeit, bauliche Logik und tektonische Ausführbarkeit sind hier für den Künstler nicht von Interesse. Piranesi, der zwar als Architekt bei seinem Onkel in Venedig ausgebildet wurde, kam 1740 erstmals nach Rom, wo er von der antiken Architektur vollkommen überwältigt war. Da, so Piranesi, kein Architekt seiner Zeit Bauwerke wie in der Antike jemals wieder bauen wird, will er seine Vorstellungen in Radierungen bildhaft machen. Die Neuschöpfung von Architektur auf dem Papier ist sein künstlerisches Anliegen, was sich auch in seinen berühmten Romveduten zeigt: Piranesi gibt den Gebäuden eine neue Monumentalität, verbunden mit der Absicht, die Antike noch zu überhöhen.