Gianlorenzo Bernini, Kniender Engel, 1673/74, Museum der bildenden Künste Leipzig

Gianlorenzo Bernini

Kniender Engel

1673/74, Schwarze Kreide, Spuren von Rötel, 20 x 20,5 cm

Die Kreidestudie von Bernini (*Neapel 1598 †Rom 1680) zeigt einen schwungvoll gezeichneten knienden Engel. Sie kann auf den Tabernakel der Sakramentkapelle in St. Peter in Rom bezogen werden, dessen Entstehungsgeschichte sich über knapp 50 Jahre hinzieht. Im Jahre 1629 beauftragte Papst Urban VIII . den 31-jährigen Künstler mit der Gestaltung eines Tabernakels für die Sakramentskapelle. Erst unter Clemens X. wurde 1672 das Projekt wieder aufgegriffen, und zum Weihnachtsfest 1674 eröffnete der Papst die Kapelle mit dem Tabernakel zum Heiligen Jahr 1675. Die vorbereitenden Zeichnungen, die sich zum größten Teil in Leipzig befinden, lassen auf verschiedene Planungsphasen schließen. Ausgeführt wurde schließlich ein Tabernakel aus Bronze, der von jeweils einem knienden Engel flankiert wird. Die meisten Entwürfe zu diesem Projekt beschäftigen sich mit den Engeln. In verschiedenen Studien werden Gestik und Haltung ausprobiert. Die Zeichnung ist eine letzte Studie für den linken Engel. Das Blatt wie auch die weiteren 250 Studien Gianlorenzo Berninis, seiner Werkstatt und der in Rom tätigen Künstler, die im Besitz des Museums sind, bilden nicht nur einen wichtigen Komplex innerhalb der Sammlung italienischer Zeichnungen, sondern ermöglichen gleichzeitig einen einzigartigen Einblick in die Arbeitsweise Berninis und der römischen Kunstszene des 17. Jahrhunderts. Das Blatt wurde 1714/15 einschließlich weiterer 54 Klebebände mit römischen Barockzeichnungen aus der Sammlung Christina von Schweden und Livio Odescalchi vom Rat der Stadt Leipzig erworben.