Gerrit van Honthorst, Musizierende Gesellschaft, 1629, Museum der bildenden Künste Leipzig

Gerrit van Honthorst

Musizierende Gesellschaft

1629, Öl auf Holz, 113 x 95 cm, Maximilian Speck von Sternburg Stiftung

Die höchsten Kreise der holländischen Gesellschaft haben sich ursprünglich an diesem Gemälde van Honthorsts (*Utrecht 1592 †Utrecht 1656) erfreut, das vermutlich aus der Bildergalerie der Amalia von Solms-Braunfels (1602–1675) in Den Haag stammt. Sie war die Gemahlin des Statthalters Friedrich Heinrich Graf von Nassau und Prinz von Oranien (1584–1647). Beide hatten eine Vorliebe für Pastoralen und Schäferbilder, in denen das Landleben idealisiert wurde. In der Bibliothek des Statthalters befanden sich mehr als hundert populäre Dramen, Schäferstücke und romantische Liebeskomödien. Der Hirte verkörperte darin den Prototyp des Verliebten, die Hirtin die angebetete Frau. Auch hochgestellte Personen ließen sich als Schäferinnen oder in mythologischer Verkleidung porträtieren. Das heitere Bild stellt einen Gegenentwurf zum Leben am Hof dar, das für Frauen wie Männer durch Etikette geprägt war. Wer mit wem am Tisch sitzen durfte, welcher Höfling welchen anderen zu bedienen hatte, war schriftlich festgelegt. Honthorst hat den lebensgroßen Figuren puppenhafte Züge verliehen. Niemand konnte ihre saubere Kleidung, die emailleartig glatte Haut, die Ausstrahlung von Reinheit, Natürlichkeit und Unschuld mit der Wirklichkeit des Lebens auf dem Land verwechseln. Das Leipziger Bild zählt zu den frühen Arbeiten des Künstlers für die Oranier, für die er später zahlreiche Porträtaufträge und große Projekte dekorativer Wandmalereien in den verschiedenen Residenzen des Statthalters ausführte. Seine Fähigkeit, einen holländischitalienischen Realismus mit französischer Klassizität zu kombinieren, machte ihn zu einem der gefragtesten Maler seiner Zeit.