Frans Hals, Der "Mulatte", 1628, Museum der bildenden Künste Leipzig

Frans Hals

Der "Mulatte"

um 1628, Öl auf Leinwand, 75,5 x 64 cm

Frans Hals (*Antwerpen 1582/83 †Haarlem 1666) war einer der begabtesten Porträtmaler Hollands, der den Menschen durch seinen lebendigen Pinselstrich Leben einhauchte und einen Ausdruck von Spontaneität verlieh. So auch im Bild des „Mulatten“, dessen skizzenhafte Handschrift im Kostüm und in der Physiognomie gut zu erkennen ist. Wir wissen nicht, wer sich hinter dem Kostüm und dem stark geschminkten Gesicht verbirgt. Handelt es sich um das Porträt eines bestimmten Komödianten oder ist der Typus des beliebten holländischen Gauklers gemeint, des „Peeckelhaerings“, einem Possenreißer im volkstümlichen Schauspiel? In der Kasseler Gemäldegalerie befindet sich eine Version des „Peeckelhaerings“ von Frans Hals im gleichen Kostüm. Man hat auch vermutet, dass der Philosoph Demokrit dargestellt sei, der über seinen an der Welt verzweifelnden Kollegen Heraklit lacht. Es gibt mehrere Gemälde von Frans Hals, auf denen er sich zwischen naturalistischem Porträt und idealtypischem Genrebild bewegt. Meisterlich ist der Gesichtsausdruck eines angetrunkenen Mannes mit dem lächelnden Mund, dem Glanz der Augen und dem schräg gestellten Kopf aufgefasst, der instabil auf dem massiven Oberkörper aufzusitzen scheint. Der Fingerweis mit der rechten Hand ist von Narrenbildnissen her bekannt: So zeigt ein Narr auf die Torheit der Welt, die auch die Welt des Betrachters ist. Hals schafft ein Bildnis zwischen menschlicher Einfühlung und ironischer Distanz, das trotz eines Hauchs von Melancholie jenen Ausdruck von Lebensfreude und Vitalität verkörpert, der unsere Vorstellung vom „Goldenen Zeitalters“ bis heute geprägt hat.