Caspar David Friedrich, Lebensstufen, um 1834, Museum der bildenden Künste Leipzig

Caspar David Friedrich

Lebensstufen

um 1834, Öl auf Leinwand, 73 x 94 cm

Vielfältig sind die Deutungen dieses Gemäldes, eine der umfassendsten Allegorien Caspar David Friedrichs (*Greifswald/Pommern 1774 †Dresden 1840). Der traditionelle, nicht vom Künstler stammende Titel spielt auf die "Fahrt des Lebens" an, kennzeichnet es als allegorische Lebensdarstellung. Das Symbolische im Sinne des allgemein menschlichen Schicksals verband Friedrich in diesem nur für die nächsten Angehörigen gemalten Werk mit einem sehr persönlichen Bekenntnis. Neben dem alten Mann, einer Selbstdarstellung, haben sich seine beiden jüngsten Kinder, ihre ältere Schwester und ein Neffe des Künstlers am Strand der Ostsee, dem Utkiek bei Greifswald, versammelt. Die Kleidung kennzeichnet den alten Mann als Anhänger der im restaurativen Deutschland als "Demagogen" denunzierten nationalliberalen Kräfte. Die genrehaft anmutende Figurengruppe mit ihrer ausgeprägten Gestensprache, eingebettet in eine real gestaltete und emotional tief empfundene Abendlandschaft, steht für die natürliche Abfolge der Generationen. Die Beziehung der fünf Schiffe zu den Personen unterstreicht die Deutung des Bildes als Gleichnis der Lebensfahrt: geschützt in Ufernähe gehen den Kindern gleich die kleinen Schiffe auf Fahrt, weit auf dem Meer die Schiffe der Erwachsenen, wie diese mitten im Leben stehend, heimgekehrt ankert das große Schiff, wie der Greis seine Fahrt durchs Leben langsam endend. Als mahnendes Memento mori liegt gleich einem Sarg ein leckgeschlagenes Boot am Ufer. Mehrfach hat Friedrich die schwedische Fahne als sein Bekenntnis zum Christentum und zu Schweden, zu seiner pommerschen Herkunft und als Freiheitssymbol in seinen Gemälden verwandt. Über alle geistigen Bezüge hinaus fasziniert das Gemälde ganz unmittelbar durch die Vollkommenheit seiner klaren, ausgewogenen Komposition, seine malerischen Qualitäten und durch den verklärenden Zauber seiner Farbpalette.