Bartholomeus van der Helst, Alte Frau am Fenster, 1647, Museum der bildenden Künste Leipzig

Bartholomeus van der Helst

Alte Frau am Fenster

um 1660, Öl auf Leinwand, 99 x 85 cm, Maximilian Speck von Sternburg Stiftung

Man meint die Falten in ihrem Gesicht zählen und den Pelzbesatz ihrer Jacke fühlen zu können, so nahe und naturalistisch hat van der Helst (*Haarlem 1613 †Amsterdam 1670) die alte Frau wiedergegeben. Wir verstehen sofort, warum er um 1650 als der führende Porträtmaler der Amsterdamer Oberschicht galt – er präsentiert sich als ein scharfsichtiger Beobachter von Mensch und Psyche. Hier handelt es sich jedoch nicht um ein Porträt, sondern um ein humorvolles Genrebild, das die Eitelkeit des Alters aufs Korn nimmt. Die alte Dame trägt eine modische Jacke in leuchtend rotem Samt mit weißem Hermelinbesatz, ein modisches Kleidungsstück, das jungen Frauen als Hauskleid vorbehalten war. Vorhänge wie der goldene im Bild wurden zum Schutz vor Staub und Licht im 17. Jahrhundert vor Gemälde gehängt. Der Maler weist mit ihm auf den künstlichen Charakter des Bildes als ein illusionistisches Machwerk und damit stolzerfüllt auf sich selbst, den Schöpfer dieser Illusion, hin.