Balthasar Permoser, Die Verdammnis, um 1725, Museum der bildenden Künste Leipzig

Balthasar Permoser

Die Verdammnis

um 1725, Plassenkalk auf Postament aus rotem Adneter Marmor, 54,8 x 53 x 22 cm

Ein verzerrtes Menschenantlitz und ein zu gellendem Schrei geöffneter Mund sind Ausdruck von furchtbarem seelisch und körperlich empfundenem Schmerz.  Mit spätbarockem Pathos führt Permoser (*Kammer bei Otting/Chiemgau 1651 †Dresden 1732) die leidende Kreatur vor. Die auf Vorderansicht gearbeitete, rückseitig flach bossierte Büste war wohl für die Aufstellung vor einer Wand oder in einer Nische gedacht. Möglicherweise haben Gottesfurcht und religiöse Rückbesinnung angesichts der eigenen Lebensneige den hochbetagten Meister zu dieser mahnenden Verdammnisdarstellung gedrängt. Thematisch gehört die Allegorie in den biblischen Themenkreis von den „vier letzten Dingen“ des Menschen: Gemeint sind Tod, Jüngstes Gericht, Hölle und Himmel. Denkbar ist, dass die Büste als Teilstück einer Skulpturenfolge konzipiert war. Gemeinsam mit einem „Weinenden Knaben“ in Dresden – leidenschaftliche Formensprache und Material stimmen überein – könnte sie als Bestandteil eines nicht vollendeten Grabmals oder Epitaphs entstanden sein. Anregung zu seinem Werk fand Permoser in seiner römischen Zeit bei Gianlorenzo Bernini und dessen Marmorbüste „Anima dannata“ (Rom, Palazzo di Spagna). Das ungewöhnlich schöne Gesteinsmaterial der Büste stammt vom Untersberg in Salzburg. Die Skulptur wurde erstmals 1768 von Franz Wilhelm Kreuchauf als Teil der Sammlung des Leipzigers G. B. Zehmisch erwähnt, der sie 1777 dem Rat der Stadt Leipzig für die Sammlung der Leipziger Stadtbibliothek überließ.