Auguste Rodin, Johannes der Täufer, predigend, 1878, Museum der bildenden Künste Leipzig

Auguste Rodin

Johannes der Täufer, predigend 

1878, Bronze, 200,7 x 90,9 x 96,4 cm

„Johannes der Täufer“ ist das erste in Deutschland bekannt gewordene Werk Rodins. Auf die traditionellen Attribute des Johannes – Kreuz und Lamm – wird zugunsten der weit ausgreifenden Bewegung verzichtet. Die Figur führt das Motiv des Schreitens programmatisch in die moderne Plastik ein und bricht dabei auch mit tradierten Vorstellungen der Ponderation. Die gesamte Bewegungsenergie liegt auf der linken Seite und fließt ein in den Schritt. Beinahe ein Jahrzehnt hatte sich das Leipziger Museum darum bemüht, ein Werk von Rodin zu erwerben. Die Ankaufswünsche wurzelten in der von Max Klinger betreuten, wegweisenden Rodin-Ausstellung von 1904 und fanden nach langem Für und Wider ihren Abschluss in der Bestellung der Johannes-Figur bei Rodin. Leipzig huldigte mit diesem Ankauf dem „Michelangelo unserer Zeit“ in recht kompromisshafter Weise: der weit kühnere Torso eines „Schreitenden Mannes“, seinerzeit ebenfalls in Leipzig ausgestellt, wurde für einen Erwerb nicht in Betracht gezogen.