August Gaul, Große stehende Löwin, 1899/1901, Museum der bildenden Künste Leipzig

August Gaul

Große stehende Löwin

1899/1901, Bronze, 115 x 190 x 54 cm

Regungslos und in gespannter Ruhe steht die Löwin, Würde und Freiheit in sich vereinend. Das Zusammenspiel von klarem Formaufbau und genauer Naturbeobachtung, von kräftiger Plastizität und feinster Detailausführung macht die Statue zum Meisterwerk. Schon ihre erste öffentliche Präsentation in der Ausstellung der Berliner Secession 1901 wurde ein durchschlagender Erfolg, der sich im folgenden Jahr in der internationalen Ausstellung moderner dekorativer Kunst in Turin wiederholte. Ganz von selbst gab das Publikum dem Ausstellungsort der Löwin den Namen „sala della lionessa“. August Gaul, der sich mit dieser Großbronze erstmals öffentlich vorstellte, ermöglichte seinen Zeitgenossen einen ganz neuen Blick. Er distanzierte sich von den Aufgaben der öffentlichen Denkmalskunst, in der das Tier den Auftritt von Herrschergestalten flankiert. Seine Löwin ist nicht mehr Triebwesen, nicht gefährlich wilde Kreatur, die durch den Kulturmenschen unterworfen und besiegt werden muss, sondern ein dem Betrachter ebenbürtiges Geschöpf, das Distanz fordert und Dialog zulässt. Kinderhände haben unseren 1940 entstandenen Bronzenachguss blankgestreichelt, der 1956 als Teil der Stiftung des Dresdener Arztes Dr. Paul Geipel ins Museum gelangte. Der erste, 1901 vom Kunstsammler Ernst Arnhold erworbene und heute in August Gauls Heimatstadt Hanau befindliche Guss hat eine mattschwarze Oberfläche und eingesetzte Bernsteinaugen, sodass die Festigkeit und gespannte Glätte der Oberfläche noch deutlicher werden.