Arnold Böcklin, Die Toteninsel V, 1886, Museum der bildenden Künste Leipzig

Arnold Böcklin

Die Toteninsel V 

1886, Firnisfarben auf Holz, 80,7 x 150 cm

Dieses vieldeutige Hauptwerk des Symbolismus ist in „Nachbildern“ von Künstlern wie Max Klinger, Salvador Dali und Max Ernst künstlerisch umgeformt worden. Es ist die letzte von fünf Fassungen einer im Auftrag entstandenen Bildidee Böcklins und wurde unmittelbar nach seiner Vollendung vom Museum angekauft (erste Fassung 1880, New York, Metropolitan Museum of Art). Böcklin (*Basel 1827 †San Domenico bei Fiesole 1901) arbeitet hier mit Metaphern, die die Erhabenheit der Natur gegenüber der Existenz des Menschen symbolisieren. Monumental ragt die Felsinsel aus dem ruhigen Meer hervor. Sie scheint ein aus der Natur geschaffener Friedhof zu sein und steht für Bleibendes. Ob eine bestimmte Insel Böcklin als Vorbild gedient hat, ist nicht klar zu beantworten. Der Maler soll geäußert haben, der Anblick des Kastells von Alfonso de Aragon auf Ischia habe ihn inspiriert. In der Mitte der symmetrisch angelegten Komposition ragen dunkle Zypressen empor, deren Wipfel sich in dem wolkenverhangenen Himmel leicht bewegen. Ein Boot, auf dem eine in ein weißes Tuch gehüllte Person vor einem Sarg steht, gleitet auf die Insel zu. Mit der Signatur auf dem Sturzbalken einer Graböffnung rechts im Bild schaffte sich Böcklin zu Lebzeiten ein imaginäres Grab und knüpfte so an die Idee Nietzsches von der Unsterblichkeit des Künstlergenies an.