Max Klinger, Beethoven, 1902, Museum der bildenden Künste Leipzig

Leipziger Notenspur

Das Museum der bildenden Künste Leipzig bildet die Station 14 der Leipziger Notenspur.

Max Klinger, der selbst musizierte, hat sich intensiv mit dem Verhältnis von Musik und bildender Kunst auseinandergesetzt. Er ehrte nicht nur Komponisten wie Beethoven, Brahms, Liszt oder Wagner durch Büsten und Denkmäler. Klinger interpretierte auch Thema und Stimmung ihrer Musikstücke in seinen Grafiken. Nicht zuletzt sind die Bezeichnungen seiner Grafikreihen als Opus und Titel wie Capriccio, Intermezzo oder Phantasie der musikalischen Terminologie entlehnt. Seine Lebensgefährtin Elsa Asenijeff charakterisiert Klingers Kunst zutreffend als „eine in Stein oder durch Griffel und Stift gebannte Musik“. Besonders fühlte sich Klinger den Komponisten Robert Schumann, Johannes Brahms und Ludwig van Beethoven verbunden. Schumann widmete er die Intermezzi Opus II (1879) und Intermezzi Opus IV (1881). Neben thematischen Anleihen weisen sie auch in ihrem Aufbau mit Thema, Variationen, Zwischenspielen und Coda Strukturen von Musikstücken auf. Durch die Kombination unterschiedlicher grafischer Techniken versuchte Klinger dazu, musikalische Stimmungen umzusetzen. „Ich liebe die schumannsche Musik außerordentlich und behaupte und glaube von seiner Compositionsweise viel beeinflusst zu sein“, fasste Klinger 1880 in einem Brief das enge Verhältnis zu dessen Musik zusammen.

 

Klingers Beethoven – eine Symphonie in Stein

 

Neben Brahms und Schumann zeigte Klinger eine besondere Verehrung für Ludwig van Beethoven. Beethoven wurde im 19. Jahrhundert häufig mit Prometheus gleichgesetzt und als Genie hymnisch gefeiert. Dieser Beethoven-Kult gründet sich besonders auf den Einfluss Richard Wagners, der ihn als „Meister“ verehrte. In seiner Beethoven-Schrift von 1870 hat Wagner in der Analyse der Dritten (…roica) und Neunten Symphonie nachhaltig Beethovens Ansehen als schöpferischer Titan geprägt. Denn er galt Wagner als Erneuerer der Musik im Sinne des von ihm geforderten Gesamtkunstwerks. Die Schriften Wagners und Nietzsches waren Klinger vertraut, als er 1886 den Entschluss zu seiner Beethoven-Skulptur fasste und bildlich umsetzte, was vorher geschrieben worden war. Die entscheidenden Impulse zu seiner polychromen Skulptur gab ihm aber die Musik selbst, wie er schreibt: „Die Idee kam mir eines schönen Abends in Paris am Klavier, und so farbig bestimmt und deutlich, wie nur ganz wenige Sachen: die Haltung, die Faust, das rote Gewand, der Adler, der Sessel, die Falten – sogar die Goldlehne.“

Neben Größe, Material, Haltung und Ausdruck überhöhte er Beethoven zu einer gottgleichen, genialen Schöpfergestalt durch Attribute wie dem Adler, der als Symbol des Zeus, des Evangelisten Johannes und des Prometheus gilt.

Mehr Informationen zu Max Klinger und seinem Verhältnis zu Musik finden Sie auch in der Werkmonographie.