Manaf Halbouni, Tahia Arabia (Arabische Grüße), 2016, Neonleuchtschrift auf Beton, 160 × 170 × 25 cm. Yes, We Can, 2016, Video, 2 Min., Loop [in Zusammenarbeit mit Oskar HR]. Die Uniform des Generals, 2016, Mixed Media. I have a Dream, 2016, Video, 2 Min., Loop [in Zusammenarbeit mit Oskar HR] © Manaf Halbouni

Marian Luft, Anarchocapitalism, Free Markets, Jumbo Shrimps, and Other Oxymorons, 2016, Mixed Media auf Aludibond und Plexiglas, 5-teilig, 160 × 430 cm © Marian Luft

Katharina Schilling, Everlasting Everything, 2016, Öl auf Leinwand, 180 × 140 cm. It’s Not a Lie If You Believe It, 2016, Öl auf Leinwand, 50 × 65 cm. Ohne Titel (Porto Bello), 2016, Plastik, Beton, 50 x 30 x 50 cm © Katharina Schilling

Thomas Taube, Situative – die Protagonisten, die Möglichkeiten, 2016, HD, 4K 16:9, 8 Min., Loop. Situative – die Verhältnisse, die Gedanken, 2016, Installation, Mixed Media © Thomas Taube

Ausstellungsansicht Marion Ermer Preis 2016 im MdbK

Ausstellungen
Marion Ermer Preis 2016

3. Dezember bis 19. Februar 2017

Manaf Halbouni (Dresden) | Marian Luft (Leipzig)

Katharina Schilling (Leipzig) | Thomas Taube (Leipzig)

 

1992 wurde die Marion Ermer Stiftung als erste private Kulturstiftung in den neuen Bundesländern nach der Wiedervereinigung gegründet. Mit der Einrichtung des Marion Ermer Preises im Jahr 2001 legt sie einen Schwerpunkt auf die Förderung junger zeitgenössischer KünstlerInnen aus den neuen Bundesländern und kooperiert seitdem eng mit verschiedenen Kunsthochschulen und Kunstinstitutionen. Zu den bisherigen Gewinnern des mit 5.000 Euro, einer Gruppenausstellung und einem eigenen Katalog gut dotierten Preises zählen der Maler Tim Eitel, der Film- und Videokünstler Clemens von Wedemeyer sowie die Bildhauerin und Installationskünstlerin Katinka Bock. 2016/17 wird der Kunstpreis der Marion Ermer Stiftung erstmals in Kooperation mit dem Museum der bildenden Künste Leipzig verliehen. Mit Manaf Halbouni, Marian Luft, Katharina Schilling und Thomas Taube wurden eine Künstlerin und drei Künstler prämiert, die die Jury mit ihren qualitativen und komplexen künstlerischen Werken aus den Bereichen Malerei, Bildhauerei, Film und Medienkunst überzeugen konnten.

In der Ausstellung im Museum der bildenden Künste Leipzig führt Manaf Halbouni die BesucherInnen in ein Paralleluniversum. Dafür imaginiert er – ausgehend von der Idee, dass die Industrielle Revolution im 18. Jahrhundert nicht von Europa, sondern vom arabischen Raum ausging – die fiktive Figur des Generals Yusef Hadid. Dieser leistete im Auftrag der Armee der Vereinigten Arabischen Staaten in den 1920er Jahren einen entscheidenden Beitrag zur Befreiung und Kolonialisierung Europas. Mit seiner kulissenhaften Installation mit Betonplastiken, Landkarten und Videoarbeiten provoziert Halbouni zum einen eine Auseinandersetzung mit den tatsächlichen kulturellen Einflüssen der arabischen Welt auf Europa. Zum anderen spielt der Künstler hier auch provokativ mit der Angst vor ‚Überfremdung‘, die gerade in Sachsen immer wieder zu Demonstrationen und ausländerfeindlichen Übergriffen führt.

Der Medien- und Installationskünstler Marian Luft zeigt eine Reihe von neuen Arbeiten, die anlässlich der Ausstellung entstanden sind. Für seine Werke sammelt der Künstler auf Blogs und in sozialen Netzwerken Bilder, die er in farbintensiven Collagen zusammensetzt. Die alltäglichen Bilderfluten, denen der Mensch im digitalen Zeitalter ausgesetzt ist, verdichten sich hier zu einem visuellen ‚Overkill‘, der die zunehmende Entortung und Beschleunigung unserer Bilderfahrung in Zeiten von Smartphones und Tablets sinnlich erfahrbar macht. Durch die Verwendung von organischen Materialien oder Müll sowie durch die ausgefransten Außenkanten des Bildträgers, die den Werken amorphen Charakter verleihen, wird die Ästhetik der virtuellen Welten gebrochen und die zunehmende Entkörperlichung im digitalen Raum durch das ‚Sicheinschreiben‘ des Künstlers in das Material konterkariert.

Die Malerin Katharina Schilling zeigt ebenfalls neue Arbeiten, die 2016 entstanden sind. In ihren Gemälden schweben banale Alltagsobjekte, aber auch Porzellanfiguren oder Früchte in einem von Zeit und Ort befreiten Bildraum. Im Gegensatz zur Stilllebenmalerei, mit der man Schillings Malerei gerne assoziiert, verzichtet die Künstlerin auf eine symbolische Aufladung ihrer Bildmotive. Stattdessen stehen das Objekt selbst und die rein ästhetische Wahrnehmung seiner Formen im Vordergrund, wobei es der Künstlerin vor allem um ein Spiel mit Materialität, Oberflächen und Strukturen geht.

Der Video- und Filmkünstler Thomas Taube war das letzte halbe Jahr im Rahmen eines Stipendiums der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen in New York, um dort an seinem neuen Film „Situations“ zu arbeiten. In dieser atmosphärisch verdichteten wie auch inhaltlich komplexen Arbeit, in der er sich mit der filmischen Illusion von Wirklichkeit auseinandersetzt, kreiert der Künstler eine eindringliche Bildsprache, in der nicht nur der visuellen Ästhetik, sondern auch dem intonierten Text eine besondere Bedeutung zukommt. Während Schauspieler in unterschiedlichen Szenen auf den Straßen von New York zu sehen sind, kommentieren Stimmen aus dem Off das Filmprojekt. Die Handlung des Filmes und der Produktionsprozess werden dabei ebenso reflektiert wie die Stadt selbst als Bühne für die einzelnen Akteure. Anlässlich der Ausstellungseröffnung präsentiert Thomas Taube eine Installation, die als eine Art intermediales Making-of dieses Filmes fungiert. Überlegungen des Künstlers, aber auch Regieanweisungen und Kompositionsskizzen sowie Video- und Tonaufnahmen liefern einen tiefer gehenden Einblick in den Entstehungsprozess des Filmes und offenbaren zugleich die vielschichtigen Facetten der Bildfindung im kreativen Schaffensprozess. Der Film „Situations“ wird am 25. Januar 2017 im Museum uraufgeführt und ist bis zum Ausstellungsende am 19. Februar 2017 zu sehen.

 

KATALOG/EDITION
Anlässlich der Ausstellung erscheinen vier Kataloge der PreisträgerInnen mit je 64 Seiten in einem Schuber mit Texten von Kristin Bartels, Dietrich von Berg und Hans-Werner Schmidt, herausgegeben von der Marion Ermer Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Museum der bildenden Künste Leipzig. Die Publikationen sind einzeln und im Schuber im Museumsshop Wasmuth erhältlich.

www.marion-ermer-stiftung.de