Anselm Kiefer, Wolkensäule, 2015 © Anselm Kiefer

Anselm Kiefer, The secret life of plants, 1997 © Anselm Kiefer

Anselm Kiefer, Jakobs-Leiter« 1996 © Anselm Kiefer

Ausstellungen
ANSELM KIEFER

Die Welt - ein Buch

27. Februar bis 16. Mai 2016

 

2008 erhält Anselm Kiefer den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Die ihm verliehene Urkunde endet mit dem Satz: „Er hat das Buch selbst, die Form des Buches, zu einem entscheidenden Ausdrucksträger gemacht. Gegen den Defätismus, der Buch und Lesen eine Zukunft abzusprechen wagt, erscheinen seine monumentalen Folianten aus Blei als Schutzschilde.“ Und Kiefer beginnt seine Rede in der Paulskirche: „Ich denke in Bildern. Dabei helfen mir Gedichte. Sie sind wie Bojen im Meer. Ich schwimme zu ihnen, von einer zur anderen; dazwischen, ohne sie, bin ich verloren.“
Anselm Kiefer wird 1945 in Donaueschingen geboren. Er beginnt sein Studium 1966 an der Kunstakademie in Freiburg und Karlsruhe. 1970 bis 1972 studiert er bei Joseph Beuys an der Kunstakademie in Düsseldorf. Bis 1991 lebt und arbeitet er in Buchen im Odenwald. 1991 verlässt er Deutschland und lebt seitdem in Frankreich. 1990 zeigen die Kunsthalle Tübingen, der Kunstverein München und das Kunsthaus Zürich Kiefers Bücher aus den Jahren 1969 bis 1990, insgesamt 45. Für Kiefer hat das Buch den Charakter des Experimentellen, der Notiz, des Vorläufigen und Intimen. Es steht so in enger Beziehung zum malerischen und skulpturalen Werk. Es sind stets Unikate. In der Großskulptur „Zweistromland“ (1985/89) errichtet er eine Bibliothek aus Bleibüchern. Sie sind unzugänglich. Sie opponieren gegen die Medienflüchtigkeit in ihrem puren materiellen Dasein. Es sind aber auch die in der Urkunde benannten Schutzschilder, denen keine Bücherverbrennung etwas anhaben kann. Kiefer bevorzugt einfaches, holzhaltiges Papier, Tapetenreste wie auch verkohlte Leinwände als Gestaltungsgrundlagen. Er arbeitet im Holzschnitt wie im Kartoffeldruck. Fotografie erscheint in einem Zustand, als sei im Entwicklungsbad ein Malheur passiert. Spuren von Befall, Zersetzung und Brand dokumentieren die Vergänglichkeit des Bildes – aber auch der darin aufgehobenen Erinnerungen. 1969 entstehen die „Historischen Sinnbilder“. Kiefer hat sich Schaftstiefel verpasst und lässt sich, den Hitlergruß praktizierend, in der Landschaft aber auch vor südeuropäischen Kulturstätten fotografieren.