Max Beckmann, Soldat mit Kopfverband, 1915 © VG Bild-Kunst Bonn, 2014

Alfred Frank, Zerstörte Kirche in Flandern, 1917

Hans-Alexander Müller, Straße von Broodseinde nach Paschendaele, 1915

Ausstellungen
Atelier Schützengraben

Max Beckmann, Hans Alexander Müller und Alfred Frank zeichnen den I. Weltkrieg

„Meine Kunst kriegt hier zu fressen“ schreibt Max Beckmann am 18. April 1915 von der Westfront bei Ypern an seine Ehefrau. Dieser polarisierende und häufig zitierte Ausspruch Beckmanns, der im schroffen Kontrast zu den Schreckensbildern des Krieges steht, kann sich eigentlich nur auf das Medium der Zeichnung beziehen. Im mitgeführten Skizzenblock des im Felde stehenden Künstlers/Soldaten können abgesehen von der Fotografie – die erlebten Kriegsgräuel, der flüchtige Augenblick einer explodierenden Handgranate und die bis zur Unkenntlichkeit verstümmelten Toten im Schützengraben unmittelbar festgehalten werden. Die Ölgemälde zum I. Weltkrieg entstanden hingegen im Atelier des Künstlers. Entsprechend widmet sich die Ausstellung „Atelier Schützengraben“ den Kriegszeichnungen, die unter den extremen Lebensbedingungen des Soldaten an der Front entstanden.

Während des I. Weltkrieges wurde an der Westfront, die sich von der Nordsee bei Ostende bis in die Vogesen erstreckte, ein erbitterter Stellungskrieg geführt. Für den Preis einiger weniger hundert Meter Geländegewinn fielen in den vier Kriegsjahren über drei Millionen Soldaten. Unter den Gefallenen waren auch zahlreiche Studenten und Absolventen deutscher Kunstakademien. Allein an der Königlichen Akademie für graphische Künste und Buchgewerbe in Leipzig meldeten sich von ca. 400 eingeschriebenen Studenten 269 sowie mehrere Dozenten nicht mehr für das am 15. Oktober beginnende Wintersemester 1914/15 zurück. In „Atelier Schützengraben“ werden erstmals mit Hans Alexander Müller und Alfred Frank zwei Studenten der Leipziger Kunstakademie zusammen mit dem in Leipzig geborenen Künstler Beckmann ausgestellt. Beckmann meldete sich mit 30 Jahren kurz nach Kriegsausbruch freiwillig als Krankenpfleger. Müller, 26 Jahre alt, und Frank, 30 Jahre alt, kämpften hingegen in sächsischen Infanterieregimentern. Die biografische Gemeinsamkeit der drei Künstler beruht auf einer bislang unbekannten Tatsache: Beckmann, Müller und Frank haben das Kriegsgeschehen zur selben Zeit und nahezu am selben Ort künstlerisch dokumentiert, und zwar am Frontabschnitt bei Ypern während der zweiten Flandern-Schlacht im Sommer 1915. Mit weit über 100 Zeichnungen und Druckgrafiken besitzt das Museum der bildenden Künste Leipzig einen einzigartig reichen Bilderschatz, der veranschaulicht, wie unterschiedlich diese drei Künstler auf das Kriegsgeschehen reagiert haben. Im Mittelpunkt der expressionistischen Zeichnungen Beckmanns steht der verwundete, genesende und tote Soldat. Müller und Frank, die im Schützengraben gekämpft haben, verarbeiteten ihre Kriegserlebnisse in einem akademisch konservativen Zeichenstil. Bemerkenswert an ihren Kriegslandschaften ist, dass zwar das Moment der Zerstörung detailliert dargestellt ist, aber die damit einhergehenden Verletzten und Toten abwesend sind. Ihre Zeichnungen aus dem Schützengraben werden in der Ausstellung mit Luftbildern und Kriegsfotografien aus der Umgebung Yperns in Kontrast gesetzt.

Die Ausstellung wird durch die Bürgerstiftung Leipzig gefördert.

Katalog:
Anlässlich der Ausstellung, die in Verbindung mit dem 250-jährigen Gründungsjubiläum der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig steht, erscheint im Wasmuth- Verlag der Katalog „Atelier Schützengraben“, herausgegeben von Hans-Werner Schmidt und Marcus Andrew Hurttig, ermöglicht von der Bürgerstiftung Leipzig. Der Katalog mit 72 Seiten und ca. 40 Abbildungen ist in der Museumsbuchhandlung Wasmuth und im Buchhandel erhältlich € 9,90.

Vortrag:
Mi, 29. 10., 18 Uhr
Zwischen Banalität und Grauen. Leipziger Erinnerungen an den „Großen Krieg“
Dr. Volker Rodekamp, Direktor des Stadtgeschichtlichen Museums Leipzig

Öffentliche Führungen:
So, 7. 9., 21. 9., 28 .9., 12. 10., 26. 10., jeweils 11 Uhr
Mi, 22. 10., 18 Uhr
Do, 2.10., 15 Uhr