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Michael Triegel. Verwandlung der Götter

"Michael Triegel. Verwandlung der Götter" zeigt 70 Arbeiten des Leipziger Künstlers Michael Triegel (*1968) aus den Jahren von 1994 bis 2010 und gibt damit einen Überblick über sein bisheriges malerisches OEuvre. Neben einigen Porträts (u. a. von Papst Benedikt XVI.) und Stillleben stehen die mythologisch-heidnischen und christlich-heilsgeschichtlichen Themen im Zentrum der Ausstellung. Darstellungen von Prometheus, Medea, Persephone oder Flora finden sich neben dem Abendmahl, der Kreuzigung oder der Auferstehung Christi.

Der Titel "Verwandlung der Götter" intoniert die Besonderheit der Kunst Michael Triegels: Auf den ersten Blick scheint wie bei einem alten Meister alles schon dagewesen – in seiner verwandelnden Handschrift indessen bleibt nichts so, wie es war. Triegel knüpft an die Tradition vor allem der Kunst der italienischen Renaissance an, aber er denkt sie weiter und verändert sie.

Michael Triegels „Orpheus“ (2004) mit der Lyra blickt zu einer Eurydike zurück, die nurmehr aus einer leeren Hülle besteht. Eine nackte „Ariadne“ (2010), von Theseus verlassen, wähnt schlafend den Geliebten in den Armen – der sich indessen als hölzernes Trugbild erweist. Auch „Persephone im Hades“ (2009), der die Rückkehr ins Reich der Lebenden verwehrt wird, ist keine Königin der Unterwelt, sondern eine leblose Puppe.

Nicht nur das mythologisch-heidnische, sondern auch das christlich-heilsgeschichtliche Personal erlebt im Werk Triegels seine verwandelnde Wiederauferstehung. In einem „Schmerzensmann“ (1998), verknüpft er die Darstellung eines Christus im Elend mit dem Typus des duldenden Hiob aus dem Alten Testament. Der die Schicksalsschläge demütig ertragende Hiob ist das typologische Vorbild des leidenden Christus. Mit dem von Schwären und Wunden überzogenen Leib evoziert Triegel die eigene Versehrtheit, im Schmerzensmann erkennt man den Künstler selbst. Auch Michael Triegels Frau Christine und der kleinen Tochter Elisabeth begegnet man im mythologisch-christlichen Sujet. Bei Triegel wird das Göttliche vermenschlicht, statt entrückter Distanz erlebt der Betrachter private Nähe. Die Ebenen der Realität geraten in
Bewegung, kaleidoskopartig verschieben sich Motive und Zeiten.

Michael Triegel hatte während seines Studiums an der Leipziger Hochschule für Graphik und Buchkunst von 1990 bis 1995 bei Arno Rink und danach in seinem Meisterschülerstudium bei Ulrich Hachulla gelernt, die Frage nach dem „Warum“ immer auch mit dem „Wie“ zu verknüpfen. Er verfügt über die Techné der Alten Meister. Triegel beherrscht die Praxis der vielfachen Öllasuren, mit denen er virtuose Licht- und Schattenwirkungen erzielt. Größten Wert legt er auf die Kunst der Zeichnung und versteht es meisterhaft, auf einem grafischen Blatt Strichätzung, Reservage und Vernismou zu vereinen.

Triegels künstlerisches Prinzip ist die Metamorphose. Altbekannte Bilder der Kunstgeschichte werden einem Prozess der Assimilation unterworfen. Triegels Wahlverwandte sind vor allem Maler der italienischen Renaissance wie Giovanni Bellini, Raffael, Leonardo, Pontormo oder Bronzino. Seine Bilder seien – wie er sagt – Ausdruck einer „Sehnsucht nach dem Wunderbaren“, da es „unmöglich geworden ist, die Welt allein mit Rationalität zu verstehen“. Michael Triegel, ein Zeitgenosse des 21. Jahrhunderts, der keiner christlichen Religionsgemeinschaft angehört, betont, dass es die „edelste Aufgabe der Kunst“ sei, einen Altar zu malen. Tatsächlich hat er inzwischen drei Kirchenaltäre fertiggestellt, ein weiterer ist in Vorbereitung. Das Porträt des Papstes Benedikt XVI. hat er soeben fertiggestellt. Das Auftragswerk wurde von der Diözese Regensburg veranlasst, die dem Museum der bildenden Künste Leipzig zugestand, es erstmals öffentlich zu zeigen.