Edgar Leciejewski, Schwarzenberg #19, 24.01.2008, 2008, Kunstfonds, Staatliche Kunstsammlungen Dresden © Edgar Leciejewski

Christopher Muller, Contax, 2004, Privatbesitz © Christopher Muller, Courtesy: Galerie Rolf Hengesbach, Berlin

Evelyn Richter, Musikviertel, Leipzig, um 1975, Museum der bildenden Künste Leipzig © Evelyn Richer

Ausstellungen
Leipzig. Fotografie seit 1839

Eine Ausstellung / Drei Museen

Die Ausstellung ist das erste Gemeinschaftsprojekt der drei städtischen Museen GRASSI Museum für Angewandte Kunst, Stadtgeschichtliches Museum Leipzig und Museum der bildenden Künste Leipzig seit 1946. An drei Orten wird eine Überblicksdarstellung der Entwicklungsphasen und Spezifika der Fotografie in Leipzig in einmaliger Vielfalt geboten.

Der Ausstellungsteil im Museum der bildenden Künste reicht von 1961 bis heute und umfasst ein besonders vielfältiges Kapitel der Fotografie in Leipzig, drei Jahrzehnte DDR-Entwicklung sowie zwei Jahrzehnte unter Nachwende- und bundesdeutschen Bedingungen. Spätestens nach dem Mauerbau im August 1961 mussten die kulturpolitischen Weichen in der DDR neu gestellt werden. Zur Ausprägung einer eigenen "Nationalkultur" waren die theoretischen Grundlagen für die sozialistische Kunst neu zu definieren und damit auch das Studium Fotografie an der HGB.

Während die staatlich gelenkten Presseagenturen Durchhalteparolen knipsten, haben eine Vielzahl von Fotografinnen und Fotografen die sozialistischen Aufbauleistungen und die Auswirkungen der Misswirtschaft des "Sozialstaats auf Pump" ausgiebig dokumentiert und die Arroganz der Macht ins Bild gerückt. Viele Bilder blieben im Verborgenen.
Nach der Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann 1976 wurden Zweifel am Staatssozialismus und subtile genauso wie offensive Systemkritik mehr und mehr öffentlich. Ein äußerst wichtiges Ereignis für die Akzeptanz und öffentliche Wahrnehmung der Fotografie war die Ausstellung "Medium Fotografie", die 1977/78 in Halle (Saale) stattfand. In dieser Ausstellung wurde die Geschichte der deutschen Fotografie umfassend reflektiert. Die Ausstellung stellte den Durchbruch für die künstlerische Wertschätzung der Fotografie in der DDR dar.
Dass es zu einer selbstbewussten Entwicklung in der Fotografie kommen konnte, ist nicht zuletzt dem stillen und doch zugleich Augen öffnenden Wirken von Lehrern wie Evelyn Richter und Arno Fischer an der HGB in Leipzig zu verdanken.
1990 begann ein Umstrukturierungsprozess an der HGB. Die Fachrichtung Fotografie positionierte sich neu und bekannte sich zur künstlerischen Fotografie- ausbildung- und lehre.

Die international vernetzte Kunst- und Fotografieszene wird durch Absolventen der Leipziger Hochschule kontinuierlich erweitert. In der Ausstellung ist eine große Bandbreite junger Positionen vertreten, die facettenreich die Vielfalt der zeitgenössischen künstlerischen Fotografie darstellen.