Ausstellungen
60-40-20

Kunst in Leipzig seit 1949

Der Titel „60/40/20“ gibt für die Ausstellung ein zeitpolitisches Raster vor: 60 Jahre Leipziger Kunst (1949 – 2009), davon 40 Jahre Kunstentwicklung in der DDR (1949 –1989) und 20 Jahre Kunstentwicklung im wiedervereinigten Deutschland (1989 –2009). Doch der Titel der Ausstellung verweist auch auf die Zäsuren, Brüche undKontinuitäten in der Kunst in Leipzig seit 1949 und markiert die Wechselwirkungen zwischen politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und künstlerischer Produktion.

Den Einstieg nimmt 60/40/20 mit der Nachzeichnung der kulturpolitischen Debatten in Leipzig zwischen 1949 und 1961. Es ist vor allem die Kontroverse zwischen den Abstrakten („Formalisten“) und den Realisten, wenn es darum geht, Kunst im gesellschaftlichen Auftrag zu praktizieren. Hier wurden Weichen gestellt, deren Orientierungen bis heute nachwirken.

Die Bedeutung der Grafik in Leipzig – die Hochschule führt das Medium bis heute noch in ihrem Titel – wird exemplarisch am Beispiel von Grafischen Folgen, die zwischen 1952 und 2009 entstanden sind, vorgestellt. Das Spektrum reicht von Hans Schulze und Johannes Lebek in den 1950er Jahren bis zu Neo Rauch, Michael Triegel und Reinhard Minkewitz.

Neben den klassischen grafischen Techniken war die Fotografie in Leipzig stets

präsent. Der Ausstellungsraum „action fotografie“ zeigt in einer Teilrekonstruktion die Ausstellungen der gleichnamigen Gruppe, zu der u. a. Ursula Arnold, F. O. Bernstein, Evelyn Richter, Günter Rössler und Wolfgang Schröter gehörten.

Internationale Wahrnehmung erfährt die Kunst aus Leipzig mit der Präsenz auf der documenta 6 1977 in Kassel. Die dort gezeigten Werke von Bernhard Heisig, Wolfgang Mattheuer und Werner Tübke konnten für die Ausstellung wieder in einer Gruppe zusammengestellt werden.

Internationale Präsenz erreichte die Kunst aus Leipzig erst wieder nach der Wende. Integriert in die Sammlung des Museums sind aktuelle Leipziger Positionen, die mit dem vielgebrauchten Etikett „Neue Leipziger Schule“ nur unzureichend charakterisiert sind. In der Ausstellung reflektiert Jörg Herold, Künstler der ersten Stunde der 1983 gegründeten Galerie EIGEN + ART, in einer multimedialen Rauminstallation und unter Verwendung von vielfältigem Archivmaterial die Historie der Galerie und ihren Weg vom Ort der künstlerischen Gegenszene zum international agierenden Kunstunternehmen.