Ausstellungen
Henriette Grahnert

Es ist einfach nicht einfach

Henriette Grahnert [*1977, Dresden] ist Gewinnerin des Kunstpreises der Sachsen Bank 2008, der in diesem Jahr zum vierten Mal vergeben wird. In den Jahren von 1997 bis 2004 studiert Henriette Grahnert an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig Malerei und legt 2001 ein Auslandstudienjahr in Glasgow ein. Seit ihrem Studium stellt sie ihre Gemälde, aber auch Zeichnungen und installative Arbeiten, aus und hat sich in den Jahren einen unverwechselbaren künstlerischen Ansatz, dessen Schwerpunkt auf Malerei liegt, erarbeitet. Ausgehend von einem abstrakten Formenvokabular entwickelt Grahnert flächige Kompositionen, die vielfältige gegenständliche Assoziationen auslösen. Diese werden oft durch pointierte Titel wie „Einfach nicht einfach“, „Teenage Radical“ oder „Ja schön, aber das beantwortet die Frage nicht“ verstärkt. Die eigenwilligen Titel eröffnen einen ersten Bildeinstieg, der jedoch nur ein individuelles Angebot ist und nicht mehr als eine Lesart unter vielen sein kann. Die Künstlerin konfrontiert die Betrachter in ihren Bildern mit immer neuen Fragen zur und über Malerei – Variationen der alten Frage „Wie lassen sich auf einer planen Fläche mit Farbe Erlebnisse, Geschichten und Emotionen ausdrücken“. Henriette Grahnerts Malweise ist sehr ambivalent: Die Künstlerin arbeitet mit expressiven, malerischen Gesten, überlagert verschiedene Farbschichten, trägt die Farbe dick mit dem Pinsel oder Spachtel auf, so dass sinnlich erfassbare Strukturen und wahre Farbexplosionen entstehen, sie lässt Farbe klecksen und zeigt Farbverläufe, Klebestreifen sind auszumachen und Rückstände von früheren Farbverläufen lässt sie stehen, die optische Textur der Farben ist faszinierend reich und sehr haptisch – gleichzeitig aber können die Bilder auch karg und zurückhaltend sein. Die Künstlerin bewegt sich an der Schnittstelle zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion. Ihre Kompositionen sind oft sehr fragmentiert. Manchmal kombiniert Sie ihre Bilder mit erstaunlichen Objekten wie in ihrer neuen Arbeit „Einfach nicht einfach“ [2008] und arbeitet mit farbigen Glühbirnen und Kabeln um die malerisch vorgetäuschte Dreidimensionalität real zu brechen. Ihre Arbeiten greifen in den Raum hinein, konsequent sprengt sie den Bildraum, Gattungsgrenzen werden spielerisch aufgehoben und in Frage gestellt. Auch Worte, Satzfragmente baut die Malerin wie visuelle Satzbausteine in ihre Bilder ein. Henriette Grahnert versucht in ihren Arbeiten formale und emotionale Inhalte und Fragen zu verbinden; Ängsten, Unsicherheiten und Enttäuschungen gibt sie immer wieder neue Farben und Formen und kreist dabei um das alltägliche Scheitern und die kleinen persönlichen Katastrophen aber auch Freuden. Werkauswahl und Gestaltung der Ausstellungsräume entstanden in enger Zusammenarbeit zwischen Künstlerin und Museum.