Ausstellungen
F.O. Bernstein

Ein Fotografenleben

Im Oktober 2007 übergibt Frau Uta Bernstein dem Museum der bildenden Künste Leipzig und dem Stadtarchiv Eisenach Teile des Nachlasses ihres 1999 verstorbenen Ehemannes, dem renommierten Fotografen Friedrich Otto Bernstein. Bernstein, 1929 in Leipzig geboren, beginnt 1948 an der Hochschule für Grafik und Buchkunst sein Studium der Fotografie, dass er 1952 erfolgreich mit dem Diplom als Fotografiker abschließt. In den folgenden Jahren ist er freiberuflich in Leipzig tätig und fotografiert für die Auto- und Schifffahrtsindustrie. Trabant P 70 und Wartburg F 9 heißen seine Modelle, die er in Farbe in Österreich oder am Bodensee in Szene setzt. Darüber hinaus ist Bernstein leitender Kopf der Gruppe „action fotografie“ einer künstlerisch ambitionierten Gruppe von Amateuren und Berufsfotografen, die versucht gemeinsam neue künstlerische Wege in der Fotografie zu gehen: die Gruppe sucht neue Impulse, setzt sich für das künstlerisch gestaltetet Bild ein und fordert den künstlerischen Austausch. Bernstein organisiert mit seinen Kollegen wie beispielsweise Ursula Arnold, Evelyn Richter, Gerhard W. Heyde Wolfgang W. Schröter und Lothar Vogel in den Jahren von 1956 bis 1958 drei Ausstellungen bevor er 1958 gemeinsam mit Uta Heyde, seiner späteren Ehefrau, nach Düsseldorf übersiedelt und dort ein neues Atelier gründet.

In Westdeutschland baut er seine Tätigkeiten als Werbefotograf weiter aus, Werbekampagnen für Citroën, Renault, die Firma Leitz entstehen. Der 2 CV, das liebevoll als Ente bezeichnete französische Auto von Citroën oder die Trinovid-Ferngläser von Leica sind einige seiner neuen Objekte. Bernstein fotografiert nicht nur sondern gestaltet auch Anzeigen, Prospekte und Plakate, kreiert Imagebroschüren und plant Messeauftritte. Bernstein experimentiert mit Farbfotografie und Licht, entwickelt erstmalig Multimediapräsentationen für Firmen wie beispielsweise Rosenthal oder Renault, 1985 baut er ein eigenes Film- und Videostudio auf. Friedrich Otto Bernstein gelingt es Fotografie erfolgreich als Medium künstlerisch und ästhetisch anspruchsvoll in die Werbefotografie und somit in den Alltag einzubringen und den Blick auf die kommerzielle Objektwelt mit zu prägen und zu gestalten.

In der Ausstellung sind Bernsteins erste Werbefotografien vom Wartburg und seine zur selben Zeit entstandenen Fotografien vom Leipziger Seeburgviertel, einem sozialen Brennpunkt in der Nachkriegszeit, sind zu sehen. Auch seine Fotografien von Jazzmusikern wie Louis Armstrong oder Duke Ellington aus den 1960er Jahren, Bilder vom Mauerbau sowie seine experimentellen Farb- und Lichtbilder von Island und seine Rennsportaufnahmen werden ausgestellt.

Unterschiedliche Aspekte des vielschichtigen künstlerischen Werdeganges und Werkes des passionierten Fotografen Friedrich Otto Bernstein sind zu entdecken: Bernstein der kritische Beobachter, Bildjournalist, Werbefotograf, Gestalter aber auch der begeisterte Experimentierer, der Technik als stetige künstlerische Herausforderung verstand.