Ausstellungen
David Oistrach - Ein Arbeitsporträt

Fotografien von Evelyn Richter

In Kooperation mit der Ostdeutschen Sparkassenstiftung würdigt das Museum der bildenden Künste Leipzig mit einer Kabinettausstellung den 100. Geburtstag des großen russischen Violinisten, Dirigenten und Pädagogen David Oistrach (1908–1974) – und zugleich die Fotografin Evelyn Richter, die den wohl bedeutendsten Geigenvirtuosen der Sowjetunion seit den 1960er Jahren bis zu seinem Tode 1974 mit ihrer Kamera begleitend beobachtete. David Oistrach, am 30. September 1908 in Odessa geboren, erhält seit seinem sechsten Lebensjahr Violinunterricht, der erste Grundstein für eine äußerst erfolgreiche Musikerkarriere ist gelegt. Schon während seines Studiums am Konservatorium in Odessa in den Jahren von 1923 bis 1926 gibt der junge Violinist erste Konzerte. Nach zahlreichen Auftritten in Europa kommt Oistrach erstmals 1952 in die DDR und debütiert in Leipzig am 2. April 1952 in der Kongresshalle. Mit diesem Konzert, das das Leipziger Publikum restlos begeistert, beginnt Oistrachs über 20-jährige Zusammenarbeit mit der Leipziger Musikszene, zahlreiche Konzerte im Gewandhaus und der Oper folgen. Die Fotografin Evelyn Richter (*1930 Bautzen) begegnet Oistrach nach ihrem Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst 1963 erstmals in Berlin. Sie hat sich der dokumentarischen Fotografie zugewandt und hält mit ihrer Kamera ihre Mitmenschen – auf Reisen im Zug, der Straßenbahn oder bei der Arbeit und im Museum beim Betrachten der Kunstwerke – fest. Als begeisterte Musikliebhaberin ist die Fotografin fasziniert von Oistrachs Violinspiel, wie auch seiner Ausstrahlung und Menschlichkeit. Richter beginnt Oistrach mit der Kamera zu beobachten und aus der anfänglichen Arbeitsbeziehung entwickelt sich eine Freundschaft. Die Fotografin trifft David Oistrach u. a. in Berlin, Leipzig, Dresden, Prag und Moskau und begleitet sein vielfältiges Musikerleben. Da Richter mit einer Leica fotografiert, die leicht, klein und schnell zu handhaben ist, aber vor allem einen sehr leisen Auslöser hat, kann sie verhältnismäßig unauffällig und unbemerkt bei Proben, Konzerten und Unterrichtsstunden aber auch hinter der Bühne aus unmittelbarer Nähe fotografieren. Evelyn Richters Aufnahmen sind durch Intensität und Intimität gekennzeichnet. Richter zeigt den Musiker selbstversunken in seinem Spiel, sodass der Betrachter den Klang der Violine noch zu spüren vermag. Aber auch der grüblerische, zweifelnde Künstler, der über der Partitur brütet, wie der vom ewigen Lampenfieber geplagte nervöse Mensch vor dem Auftritt sind zu entdecken. Die Fotografin arbeitet in Serien, wobei sie beispielsweise einzelne Szenen eines Konzerts erzählerisch aufeinander folgen lässt; sie wechselt – Oistrach folgend – den Standort und zeigt den Musiker beim Einspielen kurz vor dem Auftritt und Betreten der Bühne also auch aus dem Orchestergraben während und nach dem Konzert. Erweiternd fügt Richter eine Aufnahme seiner Frau Tamara bei, die während eines jeden Konzertes ihres Mannes angespannt lauschend hinter dem Vorhang steht. Richter arbeitet mit unterschiedlichen Bildformaten und wechselt Nah- und Fernsicht, David Oistrach und das Konzert werden wie in einem Film lebendig. Aber auch schnell aufeinanderfolgende Szenen eines Dirigats sind in Richters OEuvre zu entdecken, die sich auch hier gleich Filmstills aneinanderreihen und die Dynamik des Dirigierens widerspiegeln sowie Lehrer-Schüler-Szenen mit Vaclav Hudecek (*1952) in Prag. 1973 veröffentlicht Richter ihre zahlreichen Fotografien in einem Buch und kann ein facettenreiches Porträt des Musikers präsentieren. Eine Auswahl dieser in den 1960er und 70er Jahren entstandenen Fotografien sind in der Kabinettausstellung zu sehen.