Ausstellungen
Lovis Corinth

und die Geburt der Moderne

Lovis Corinth und die Geburt der Moderne ist eine deutsch-französische

Kooperation zwischen dem Musée d‘Orsay in Paris, dem Museum der bildenden Künste Leipzig und dem Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg unter der

Schirmherrschaft der Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel und des französischen

Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy. Ermöglicht wurde die Ausstellung durch die

Unterstützung der Kulturstiftung des Bundes, der Ernst von Siemens Kunststiftung, der Ostdeutschen Sparkassenstiftung gemeinsam mit der Sparkasse Leipzig, der Förderer des Museums der bildenden Künste Leipzig e. V. und der BMW AG.

Die Retrospektive zu Corinths 150. Geburtstag vermittelt mit nahezu 100 Gemälden aus allen Schaffensphasen, darunter zahlreiche Leihgaben aus nationalen und internationalen, öffentlichen und privaten Sammlungen, einen in dieser Qualität auf lange Zeit nicht wiederholbaren Überblick auf das Werk, das von einer obsessiven Lebenspraxis kündet. Zugleich werden die Bezüge Corinths auf eine Künstlergeneration thematisiert, die der Malerei im ausgehenden 20. Jahrhundert mit neuen Impulsen zu großartigen Auftritten verholfen hat. In Leipzig wird die Ausstellung anlässlich des 150. Jahrestags der Gründung des Museums der bildenden Künste gezeigt und ist das zentrale Ausstellungsprojekt im Jubiläumsjahr.

Der aus der Nähe von Königsberg in Ostpreußen stammende, lange Jahre in München und Berlin lebende Lovis Corinth (1858–1925) zählt zu den bedeutendsten deutschen Künstlern an der Wende zum 20. Jahrhundert. Er gilt heute als eine zentrale Figur der modernen Malerei. Die Retrospektive gibt, mit kleinen Akzentverschiebungen an den drei Stationen, anhand einer konzentrierten, qualitativ hochkarätigen Auswahl einen überzeugenden Eindruck vom künstlerischen Werdegang Corinths: Ausgangspunkt ist sein thematisch differenziertes Frühwerk, in dem sich vielfältige Anregungen des französischen, holländischen und deutschen Realismus mit denen der holländischen Kunst des 17. Jahrhunderts und des Symbolismus um 1900 mischen. In seinen mythologischen und biblischen Darstellungen, Bildnissen, Landschaften oder Stillleben entwickelte Corinth sich zum malerisch vitalen Impressionisten und führenden Vertreter der Berliner Secession. Im expressiven Spätwerk triumphieren die Ausdruckskraft der Farbe und der Malduktus’ über die gegenständliche Formensprache. Die Ausstellung gliedert sich in fünf klassische Themenfelder – Selbstporträt, Mythos und Bibel, Akt und Alltag, Porträt, Landschaft und Stillleben – und macht die stilistische Entwicklung Corinths anschaulich. Dabei stehen Werke im Zentrum, in denen Corinth das Zeitkolorit des beginnenden 20. Jahrhunderts überwunden und sich als zukunftsweisend gezeigt hat. Die Jubiläumsausstellung setzt erstmals Corinth mit Vertretern der Moderne in Dialog. Corinth wird als Solitär zwischen Tradition und Avantgarde begreifbar, der schon zu Lebzeiten zu einem „Maler für Maler“ wurde. In Leipzig wird dieser Dialog in der zentralen Halle des 3. Obergeschosses durch Werke geführt, die von nachgeborenen Künstlern aus Ost- und Westdeutschland stammen: So haben Georg Baselitz, Rainer Fetting, Gotthard Graubner oder Anselm Kiefer, Gustav Kluge, Dieter Krieg und Norbert Tadeusz bewusst oder unbewusst an Corinths Schaffen angeknüpft. Innerhalb der DDR-Kunst fungierte Corinth für Hartwig Ebersbach, Sighard Gille, Bernhard Heisig und Willi Sitte als „Leitfigur und Pate“. Zugleich wird die erstaunliche Affinität zwischen Corinths Gemälden der späten Jahre und der ‚Renaissance’ deutscher und internationaler Malerei im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts deutlich.