Ausstellungen
Literatur verpflichtet

Karl Georg Hirsch, Rolf Münzner, Baldwin Zettl

Karl Georg Hirsch (* 1938), Rolf Münzner (* 1942) und Baldwin Zettl (* 1943)

gehören zu den großen Illustratoren des 20. Jahrhunderts aus Leipzig. Auf

unterschiedliche Weise haben sie ein Stück Kunst- aber auch Literaturgeschichte geprägt. In unvergesslichen Bildern haben sie Romane, Novellen und Gedichte um phantastische, groteske oder ironische Facetten bereichert. Karl Georg Hirschs intensive Auseinandersetzungen mit der Literatur dokumentieren seine graphischen Arbeiten zu Annette von Droste-Hülshoff „Die Judenbuche“, zu Bertolt Brecht „Die Mutter“, zu Kurt Tucholsky „Rosen auf den Weg gestreut“ oder zu Uwe Johnson „Wenn Jerichow zum Westen gekommen wäre“ – um nur einige wenige Beispiele zu nennen. Hirsch hat die im 18. Jahrhundert entstandene Technik des Holzstichs auf brillante Weise weiterentwickelt – in kleinem Format. Rolf Münzner illustrierte seit Gustav Meyrinks Novelle „Schöpsoglobin“ zahlreiche Werke der Weltliteratur wie den „Don Quijote“ von Miguel de Cervantes oder den „Simplicissimus“ von Hans von Grimmelshausen v. a. im Medium der Schablithographie. Seine meisterhaften Blätter zu Michail Bulgakows Roman „Der Meister und Margarita“ haben ihn weithin bekannt gemacht. Sie werden in der Ausstellung ebenso gezeigt wie seine umfangreiche Blattfolge zu der mittelalterlichen Dichtung „Der Ackermann von Böhmen“ des Johannes von Saaz, einem mittelalterlichen Streitgespräch über das Leben und den Tod. Baldwin Zettl beschäftigte sich dagegen immer wieder mit Autoren wie Johann Wolfgang von Goethe (Prosagedichte, „Faust. Der Tragödie erster und zweiter Teil“), Heinrich von Kleist („Michael Kohlhaas“, „Der Zweikampf“, „Die Marquise von O...“, „Prinz Friedrich von Homburg“) oder Theodor Storm („Pole Poppenspäler“, „Der Schimmelreiter“), deren literarische Stoffe er in virtuosen Kupferstichen graphisch umsetzte. Die Ausstellung präsentiert Einzelblätter und Bildzyklen, sie dokumentiert die künstlerische Beziehung der drei Graphiker zu Klassikern der Literaturgeschichte aber auch zu weniger bekannten Autoren in Vergangenheit und Gegenwart. Sie zeigt, wie Texte die bildkünstlerische Vorstellungskraft anregen – und wie sich diese Imaginationen von der bloßen Bebilderung unterscheiden. Nicht zuletzt werden in der Ausstellung auch neu erworbene Blätter der Graphischen Sammlung zu sehen sein.