Ausstellungen
Auguste Herbin

Auguste Herbin (1882–1960) gilt als einer der Mitbegründer der geometrischkonstruktiven Kunst in Frankreich. Als Sohn einer Handwerkerfamilie ist er zunächst Autodidakt und erhält später ein Stipendium für die École des Beaux Arts in Lille, die er ab 1900 besucht, bevor er sich 1901 in Paris niederlässt, wo er sich zuerst den Impressionisten und später den Fauves anschließt. Nach der Beschäftigung mit dem Kubismus und einer kurzzeitigen Rückkehr zur gegenständlichen Malerei in den 1920er Jahren findet er seine eigene charakteristische Formensprache in der geometrischen Abstraktion. Die theoretische Auseinandersetzung mit dieser künstlerischen Ausdrucksform mündet 1942 in sein Hauptwerk, dem „alphabet plastique“, ein Kompositionsprinzip, das auf der Kodierung von untereinander in Beziehung stehenden Buchstaben, Farben, Formen und Tönen beruht und sowohl auf Goethes Farbenlehre wie auch auf Theorien des Philosophen und Mathematikers Joseph Marie Wronski und des Anthroposophen Rudolf Steiner basiert. Auguste Herbin ist Gründungsmitglied des „Salon des Surindépendants“ (1929), der Künstlervereinigung „AbstractionCréation“ (1931) und des „Salon des Réalités Nouvelles“ (1946). Für jüngere Generationen abstrakter Künstler wie Victor Vaserely, Jean Dewasne, Robert Jacobsen und Günter Fruhtrunk wird Herbin nach dem Krieg zu einer wichtigen Identifikationsfigur. Zwischen 1955 und 1972 waren seine Arbeiten mehrfach auf der „documenta“ vertreten. Die Werke von Auguste Herbin aus der Sammlung Rosenkranz dokumentieren exemplarisch die wichtigsten Schaffensphasen des Künstlers. Auf Wunsch von Annette Schröter werden sie im Zusammenhang mit den Papierschnitten der Künstlerin gezeigt, die zeitgleich in den angrenzenden Kabinetträumen ausgestellt sind.

AUGUSTE HERBIN ist der fünfte Auftritt der Sammlung Dieter und Si Rosenkranz im Museum der bildenden Künste. Das in Berlin lebende Ehepaar unterstützt seit

Jahren Museen in Paris, Bilbao, Los Angeles, Santa Barbara und Deutschland mit

Leihgaben. Seit einigen Jahren haben Dieter und Si Rosenkranz ihr Augenmerk auch auf Leipzig gerichtet. Sie möchten zum einen die Kunst vor Ort fördern, zum

anderen die Präsenz internationaler Kunst in der Stadt verstärken. 2006 haben

Dieter und Si Rosenkranz deshalb dem Museum rund 500 Werke aus ihrer

umfangreichen Kollektion moderner Kunst per Dauerleihvertrag auf zehn Jahre zur

Verfügung gestellt. Zwei bis dreimal jährlich wird eine Auswahl im Kubus im ersten

Obergeschoss des Museums präsentiert. Die Sammlung Rosenkranz lässt sich in drei Schwerpunkte teilen: geometrischkonstruktivistische Kunst der europäischen Moderne (u. a. Auguste Herbin, Laszlo Moholy-Nagy, Victor Vasarely), konzeptionelle und prozessorientierte Kunst der 1960er Jahre bis heute (u. a. Christo, Nam June Paik, Klaus Rinke) und Gegenwartskunst von Künstlern der amerikanischen Westküste (u. a. Greg und Jeff Colson, Sam Francis, Ed Ruscha), wo das Ehepaar Rosenkranz von 1987 bis 2005 einen zweiten Wohnsitz hatte.